Kurz vor Toresschluss

Das Museum van Bommel van Dam in Venlo präsentiert eine letzte Schau mit Portraits aus der Sammlung
im Vordergrund ein Foto von Inez van Lamsweerde, im Hintergrund Erwin Olafs "Fischweib" von 1997, Fotos: MvBvD

Venlo. „Verzamelde gezichten“ (Gesammelte Gesichter)  ist der Titel einer Schau, mit der sich das limburgische Museum van Bommel van Dam in eine circa zweijährige Umbau- und Umzugsphase verabschiedet. Die Ausstellung, die schon am neuen Museums-Standort, dem alten Postkantor nahe dem Venloer Bahnhof stattfindet, zeigt eine besondere Auswahl an Porträts aus der Sammlungsgeschichte des Museums. Arbeiten mit Tinte auf Papier, Öl auf Leinwand, aber auch Fotografien aus der ursprünglichen Van Bommel van Dam-Kollektion werden solchen aus neueren Einkäufen und Geschenken zum selben Thema gegenübergestellt.

Schwerpunkt der Sammlung: Zeitgenössische Kunst

Das Museum van Bommel van Dam wurde 1971 im limburgischen Venlo eröffnet und basiert auf der privaten Sammlung von Maarten van Bommel (1906–1991) und seiner Frau Reina (geborene van Dam,1910–2008). 1969 stiftete das Paar der Stadt Venlo seine rund 1200 Exponate, die bis heute den Grundstock der Museumssammlung bilden. Der inhaltliche Schwerpunkt liegt auf Werken der zeitgenössischen niederländischen Kunst, u. a. der Künstlervereinigungen COBRA und Amsterdamse Limburgers. Zu den Künstlern der Sammlung gehören - in Auswahl: Karel Appel, Armando, Constant Nieuwenhuys, Guillaume Cornelis van Beverloo (Corneille), Rineke Dijkstra, Huberine Heijermans, Frank van Hemert, Hokusai, Lei Molin, Jaap Nanninga, Erwin Olaf, Anton Rooskens, Cornelia Schleime und Rob Scholte.

2014 fand eine im Wortsinn ebenso originelle wie interaktive Ausstellung statt: „Join In!“ ermöglichte es, für 100 € pro Quadratmeter, ein Stück Museumswand für die Dauer der Ausstellung zu mieten. Außer der Entrichtung des Mietpreises gab es keine Teilnahmebedingungen.

Der Neue: Paulo Martina

Seit Mai 2019 ist Paulo Martina der neue Mann an Bord. Mit der Neubesetzung der Leitungsebene erhofft sich das Museum einen Auftrieb - auch bemessen an den Besucherzahlen -, nachdem das Haus zuletzt bei rund 15000 Besuchern pro Jahr vor sich hindümpelte.

Paulo Martina soll es richten

Paulo Martina (Jahrgang 1964) scheint hierfür der Richtige. Martina war neun Jahre lang Direktor des Museums Dr8888 in Drachten. Als Zwölfjähriger kam er aus Curaçao in die Niederlande, wo er 1994 sein Studium der Kunstgeschichte an der Universität von Amsterdam abschloss.

Unter seiner Leitung hat sich das Museum Dr8888 von einem friesischen Regionalmuseum zu einem nationalen Museum für moderne Kunst mit überregionaler Reichweite entwickelt. Das bestätigen auch die Besucherzahlen, die - nach Museumsangaben - von 9000 in 2009 bis knapp 30000 in 2017 und 2018 stiegen. Daneben konnte Martina die Einrichtung der Museumswohnung im ehemaligen Van Doesburg-Rinsemahaus in Drachten für sich verbuchen. Als Direktor des Hauses war er Mitglied des Lenkungsausschusses „100 Jahre De Stijl - Von Mondrian zum niederländischen Design“, Teilnehmer am 100-jährigen DADA-Jubiläum und am Hauptprogramm von Leeuwarden Kulturhauptstadt 2018 beteiligt.

Aus alt mach´ neu - aus städtisch privat

Mit seinem breiten kunsthistorischen Wissen, seinem internationalen Netzwerk und seiner langjährigen Erfahrung im Museumsbereich soll Martina das Museum van Bommel van Dam an seinem neuen Standort zu einem attraktiven Museum für moderne und zeitgenössische Kunst führen. Bis zum geplanten Umzug 2021 wird das alte Postkantor von dem Architekturbüro BiermanHenket renoviert, das auch schon für den spektakulären Umbau des Museums de Fundatie in Zwolle verantwortlich zeichnete (s. Foto am Ende des Artikels). Nach seiner Fertigstellung wird das ehemals städtische Museum als private Einrichtung mit 2700 Quadratmetern Ausstellungsfläche fungieren.

Bei dem Entwurf des Architekturbüros Bierman/Henket bleibt der Charakter des ehemaligen Postkantors erhalten.

Sommerfest beendet aktuelle Schau - danach gehen die Schoppen dicht

Das Ende der Schau "Verzamelde Gezichten" am 18. August fällt mit dem Venloer Sommerfest im Julianapark  (8. bis 11.8.19) direkt hinter dem zukünftigen Museum zusammen. Festivalbesucher können hier vier Tage lang gratis Musik, Literatur, Kunst und Tanz genießen, bevor das Museum eine Woche später bis auf Weiteres geschlossen wird.

Museum van Bommel van Dam, Keulsepoort 1, 5911BX  Venlo, geöffnet: Do-So 11.00-17.00 Uhr.

Wurde zum Wahrzeichen: Das Ei auf dem Dach. Museum de Fundatie (Zwolle) in einem ehemaligen Gericht, das von BiermanHenket zwischen 2010 und 2013 umgebaut wurde. Foto: Cornelia Ganitta