Die Welt des Alessandro Mendini

25 Jahre nach dem Bau des Hauses ehrt das Groninger Museum seinen italienischen Architekten
Groninger Museum, 2014, Foto: Erik en Petra Hesmerg

Vor 25 Jahren zeichnete der Mailänder Alessandro Mendini als Chefarchitekt für den extravaganten Neubau des Groninger Museums verantwortlich. Jetzt präsentiert das Museum ihm zu Ehren die Schau Mondo Mendini – Die Welt des Alessandro Mendini”. Kurz vor seinem Tod stellte der italienische Designer noch eine umfangreiche Auswahl mit eigenen Werken wie auch Arbeiten jener Künstler zusammen, denen er sich künstlerisch verbunden fühlte, darunter Paul Signac, Gio Ponti und Michele De Lucchi. Mit über 200 Exponaten ist im Ergebnis ein visuelles Spektakel voll Humor und Poesie entstanden, das Mendinis Oeuvre als Designer und Architekt in allen Facetten beleuchtet.

 

Alessandro Mendini, Poltrona di Proust, 1978, Kollektion Groninger Museum, Foto: Marten de Leeuw
Alessandro Mendini, Petite cathédrale, 1996-2002, Kleine Kathedrale (Miniatur-Modell, Mosaik aus Holz, Glas und Kunststoff), Fenster von Mimmo Rotella, Foto: Fondation Cartier pour l’art contemporain, Paris / Luc Bougly

Mit seiner Ablehnung einer Hierarchie innerhalb der Künste, zwischen Architektur, autonomer Kunst und Design, zwischen „hoher“ und „niederer“ Kunst, wurde Alessandro Mendini (16.8.1931 bis 18.2.2019) einer der bedeutendsten Repräsentanten der Postmoderne. Seine Objekte sind durchweg farbenfroh, dekorativ, überraschend: Fantasie war ihm wichtiger als Funktionalität. Vor gut zwei Jahren bat das Groninger Museum Mendini, eine Präsentation zu seinem Schaffen einzurichten. In “Mondo Mendini” nun sind einige seiner bekanntesten Entwürfe vereint. Dazu zählen eine drei Meter hohe Version seines illustren Kitschsessels Poltrona di Proust sowie die imposante Petite cathédrale (beide aus der Sammlung der Fondation Cartier). Die Außenmauern dieser Minikathedrale sind komplett mit farbigen Mosaiksteinen verkleidet. Das Innere ist mit einem Goldmosaik ausgelegt und umstrahlt die Visage archaïque, eine Skulptur, die für Mendini selbst das universelle Symbol für Harmonie verkörperte.

 

Alessandro Mendini, Anna G., 1994, Korkenzieher für Alessi, Foto: Alessi – Alessandro Mendini Archive
Alessandro Mendini, Tête géante, 2002, Kollektion Alessandro Mendini, Mailand, Foto: Groninger Museum / Heinz Aebi

Meine Arbeit ist mit dem Schreiben eines Romans vergleichbar,
in dem Ernst, Schmerz, Komödie und Poesie nebeneinander bestehen.
Meine Objekte sind tragikomische Figuren“ – Alessandro Mendini

Mit Anna G., dem populären Korkenzieher und Bestseller von Alessi, Schmuck und Haushaltsgeräten, bis hin zu Architekturmodellen und raumgreifenden Skulpturen bietet die Schau einen Querschnitt durch das umfangreiche Werk des italienischen Meisters.

Entsprechend seiner Kunstauffassung wollte Mendini in dieser Ausstellung allerdings nicht nur eigene Werke zeigen, sondern auch die seiner Vorbilder aus Vergangenheit und Gegenwart. Schließlich erkannte er den Einfluss anderer Kunstgrößen immer offen an. In Mondo Mendini vereint er Künstler der Moderne, wie Paul Signac, Wassily Kandinsky, Henri Matisse und Kasimir Malewitsch, Architekturentwürfe von Theo van Doesburg und Gerrit Rietveld, Objekte italienischer Designer wie Gio Ponti, Michele De Lucchi und Gaetano Pesce sowie aktuelle Gemälde des Amerikaners Peter Halley.

 

Alessandro Mendini, Foto: Carlo Lavatori, Alessandro Mendini Archive

Alessandro Mendini beendete sein Architekturstudium 1959 und arbeitete anschließend beim Architekturbüro Nizzoli Associati in Mailand. Unter Einfluss des revolutionären Geistes jener Zeit beschloss er nach zehn Jahren, sich vor allem mit den theoretischen Grundlagen von Architektur und Design zu befassen. Zwischen 1970 und 1976 war er Chefredakteur der Architekturzeitschrift Casabella, die für eine junge Generation gesellschaftskritischer, avantgardistischer Architekten und Designer zu einem Sprachrohr in Italien wurde. Danach arbeitete er als Chefredakteur der Architektur- und Designzeitschriften Modo (1977-1981) und Domus (1980-1985 und 2010-2011). Mendini setzte sich mehr und mehr als Designer durch.

Vertreter der italienischen Avantgarde

Besonders einflussreich waren seine bahnbrechenden Projekte mit dem Designerstudio Alchimia, zu denen u. a. das 1981 entworfene Mobile infinito (Das unendliche Möbel) zählt, an dem Designer und bildende Künstler an experimentellen Möbeln mit austauschbaren Dekors zusammenarbeiteten. Ab den 1980er Jahren war er Berater bei der Firma Alessi, für die er ungewöhnliche Kooperationsprojekte an der Schnittstelle von Kunst und Design initiierte. Zudem fertigte er Entwürfe für den Schweizer Uhrenproduzenten Swatch, für Philips und viele andere Designfirmen. Mit seinem jüngeren Bruder Francesco schuf er schillernde Bauwerke in Europa und in Asien, von denen das Groninger Museum das bekannteste ist. Bis ins hohe Alter erweiterte er sein vielseitiges Schaffen mit fantasievollen, eigensinnigen, humorvollen und poetischen Kreationen.

Die Ausstellung Mondo Mendini ist vom 12.10.19 bis 5.5.20 im Groninger Museum zu sehen. Im eigentlichen Geburtstagsmonat Oktober stehen viele Veranstaltungen auf dem Programm, die mit dem Festwochenende am 26. und 27. Oktober bei freiem Eintritt abschließen. Weitere Infos unter www.groningermuseum.nl/.

 

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