Aus Witte de With wird `Melly´

Wegen kolonialer Vergangenheit: Umbenennung des renommierten Rotterdamer Kunstinstituts
Das Witte de With-Kunstinstitut nach einer Farbattacke durch Aktivisten im Juni 2020, Foto: ANP

Es war eine lange Geburt: Drei Jahre nach der Ankündigung, den Namen ändern zu wollen, wird das Witte de With-Zentrum für zeitgenössische Kunst in Rotterdam ab dem 27. Januar 2021 - 30 Jahre nach Betriebsaufnahme - als `Kunstinstituut Melly´ weitergeführt. Das gab die renommierte Kunsteinrichtung mit Sitz in der gleichnamigen Straße, die sich wiederum in Rotterdams beliebten Kunstviertel Witte de With befindet, im September bekannt. Der neue Name referiert an die Arbeit `Melly Shum Hates Her Job´ des kanadischen Künstlers Ken Lum, die fest an der Fassade des Gebäudes installiert ist. Schon seit 1990 ist das Bild der jungen Frau (einer Studentin des Künstlers) ein bekanntes Gesicht in Rotterdam. Das Museum stellte in einer Erklärung fest, dass die Protagonistin des Werks „nicht nur das Bild eines weiblichen `Antihelden´ der Arbeiterklasse bedeutet", sondern Teil einer neuen Beziehung zwischen der Institution, der Straße und der Gemeinschaft sei.

VOC und Sklavenhandel

Die Umbenennung fiel in Folge eines öffentlichen Aufschreis über den Namensvetter des Museums, Witte Corneliszoon de With. Der niederländische Marineadmiral aus dem 17. Jahrhundert leitete im Auftrag der Vereinigten Ostindischen Kompagnie (VOC) die Kolonialexpeditionen nach Indien, Indonesien und Südamerika, die auch geprägt vom Sklavenhandel waren. 2017 rückte die Institution wegen der Beibehaltung des Namens des Kolonialisten während eines Kunstprojekts, das sich mit der Geschichte des niederländischen Kolonialismus befasste, in die gesellschaftliche Diskussion. 

Bekannt als Witte de With

Während das Kunstzentrum in den letzten Jahren weiter öffentliche Versammlungen und Workshops organisierte, wuchs die Ungeduld außerhalb der Institution. Im Juni beschmierte die Aktionsgruppe "Helden van nooit" das Gebäude mit roter Farbe. In Amsterdam bewarf dieselbe Aktionsgruppe das Tropenmuseum mit Farbbomben. Nach Angaben der Gruppe handelt es sich bei dem Museum um eine "koloniale Einrichtung, die bis heute menschliche Überreste ehemaliger Kolonien in ihrem Keller aufbewahrt".
Das Witte de With ließ kurz darauf den (alten) Namenszug von der Fassade entfernen. Seitdem beantworten die Mitarbeiter das Telefon mit ihrem eigenen Vornamen. Wenn dies zu Verwirrung führte, bestätigten sie, dass der Anrufer "Früher bekannt als Witte de With" erreicht hatte.

In Konkurrenz zu "Katze" und "Hafen"

Die neue Bezeichnung wurde in einem 2018 eingeleiteten aufwändigen Verfahren gewählt, bei dem das Museum in Foren und Online-Umfragen die Meinung von mehr als 280 Teilnehmern einholte. Ein 13-köpfiger, externer Beirat wählte mehrere Namen aus einer Liste von Vorschlägen (u. a. waren "Katze" und "Hafen" im Rennen) und reichte diese zur öffentlichen Prüfung ein, die von mehr als 70 Teilnehmern in drei Sitzungen durchgeführt wurde. "Melly" war zuvor in Workshops vorgeschlagen worden, weshalb die Buchhandlung und das Café bereits umbenannt worden waren. "Es ist ein Name, der aufgrund seiner Fähigkeit gewählt wurde, Rechenschaftspflicht, Verletzlichkeit und Reaktionsfähigkeit aufrechtzuerhalten und sicherzustellen, dass wir in Zukunft eine noch einladendere und gewagtere kulturelle Institution werden", gab die Institution in ihrem Statement an. Internet: https://www.fkawdw.nl/en/

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