Black Power im Mudam Luxemburg

© LaToya Ruby Frazier: Mom and Mr. Yerbys Hands, 2005, Série The Notion Of Family, Collection Pinault, ©Photo Courtesy LaToya Ruby Frazier and Gavin Browns enterprise, New York, Rome

Das Musée d'Art Moderne Grand-Duc Jean in Luxemburg, kurz MUDAM, zeigt aktuell Arbeiten der Fotokünstlerin LaToya Ruby Frazier. Seit Beginn der 2000er-Jahre widmet sich die US-Amerikanerin, die zugleich Professorin für Fotografie an der School of The Art Institute (SAIC) in Chicago ist, einer ebenso persönlichen wie engagierten sozial-dokumentarischen Fotografie, in der Orte, Menschen und deren Probleme in den Mittelpunkt gerückt werden, die für gewöhnlich im Verborgenen bleiben. „Aktivismus beginnt da, wo Bilder von etwas bis dahin nicht Sichtbarem verfügbar werden“, erklärt die Künstlerin. Mit ihrem Werk, das von Deindustriealisierung, Umwelt und rassistischer Diskriminierung handelt, macht sie sich zum Sprachrohr einer meist vernachlässigten Arbeiterklasse. Als Grundlage dienen ihr private Einflüsse und Perspektiven. So bezeugt die ehrgeizige Serie „The Notion of Family“ (2001-2014), mit der Frazier bekannt wurde, den Niedergang ihrer Geburtsstadt Braddock, einem ehemaligen Zentrum der Stahlindustrie in der Nähe von Pittsburgh, Pennsylvania. Anhand der generationsübergreifenden Lebensentwürfe dreier Frauen (ihrer Großmutter, ihrer Mutter und ihrer eigenen), erarbeitet Frazier eine kollektive Geschichte mit allgemeingültigen Fragestellungen. Für sie gilt: „Braddock ist überall.“

© Photo Courtesy LaToya Ruby Frazier and Gavin Browns enterprise, New York, Rome

Kohärentes Gesamtwerk

Den Mittelpunkt der MUDAMer Ausstellung bilden Fotografien aus dieser Serie. Ergänzt wird diese durch zwei weitere fotografische Ensembles, die veranschaulichen, wie kohärent und zugleich vielseitig motiviert das Gesamtwerk ist, das sich zwischen der Objektivität des Dokuments versus Subjektivität des Blicks, dem Privaten versus Politischen sowie dem Leben Einzelner versus der Vergangenheit einer ganzen Gesellschaft bewegt.

Die im Mudam erstmals in Europa gezeigte Serie „On the Making of Steel Genesis: Sandra Gould Ford“ von 2017, entstand in Zusammenarbeit mit der Fotografin und Schriftstellerin Sandra Gould Ford, die als Angestellte einer Steel Company in Pittsburgh den Alltag in den Fabriken sowie deren Schließung auf unterschiedliche Weise dokumentierte. Dieses Werk kombiniert Porträts von Sandra Gould Ford mit Reproduktionen von Dokumenten, in denen die Arbeitsbedingungen in den Stahlwerken beschrieben werden. Eine weitere Foto-Reihe wiederum ist das Ergebnis eines groß angelegten Projekts in der Borinage, dem einstigen Kohlerevier nahe der belgischen Stadt Mons. Es verbindet großformatige fotografische Ansichten (darunter auch Luftaufnahmen) dieser von Industrie gezeichneten Landschaft mit Bildsequenzen, die bei Begegnungen mit ehemaligen Bergleuten und deren Familien aufgenommen wurden.

Biografie

LaToya Ruby Frazier wurde 1982 in Braddock, Pennsylvania geboren. Einzelausstellungen mit ihren Arbeiten waren in Museen wie dem MAC’s in Hornu (2017), dem CAPC in Bordeaux (2016), dem Carré d’art in Nîmes (2015), dem Brooklyn Museum in New York und dem Institute of Contemporary Art in Boston (2013) zu sehen. Darüber hinaus nahm sie an mehreren international bedeutenden Biennalen teil, wie der 56. Biennale in Venedig (2015), der 8. Biennale in Busan (2014) und der 76. Whitney Biennial (2012). Zu ihren zahlreichen Auszeichnungen gehören der Gordon Parks Foundation Award 2016 und ein MacArthur Fellowship 2015. Im selben Jahr verlieh ihr das International Center of Photography in New York den Infinity Award für ihr Buch „The Notion of Family“ von 2014.

Ausstellungsfoto: MUDAM

Kuratiert wurde die MUDAMer Ausstellung von Christophe Gallois. Ein Katalog, der neben einem Essay der Kunsthistorikerin Elvan Zabunyan auch ein Gespräch der Künstlerin enthält, ist im Verlag Mousse Publishing erschienen.

Zu sehen bis zum 22. September im MUDAM Luxembourg – Musée d’Art Moderne Grand-Duc Jean, Park Dräi Eechelen 3, L-1499 Luxembourg-Kirchberg

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