Vincent geht fremd ... diesmal in Frankfurt

MAKING VAN GOGH - Geschichte einer deutschen Liebe
Vincent van Gogh, Segelboote am Strand von Les Saintes-Maries-de-la-Mer, 1888, © Van Gogh Museum, Amsterdam (Vincent van Gogh Foundation)

Frankfurt/Main. Das Städel Museum widmet vom 23. Oktober 2019 bis zum 16. Februar 2020 dem Maler Vincent van Gogh (1853–1890) eine umfassende Ausstellung. Im Zentrum steht die Entstehung des „Mythos van Gogh“ um 1900 sowie die Bedeutung seiner Kunst für die Moderne in Deutschland. Mit 50 zentralen Arbeiten van Goghs ist die Ausstellung die umfangreichste Präsentation mit Werken des Malers seit fast 20 Jahren in Deutschland.

`MAKING VAN GOGH´ thematisiert die besondere Rolle, die Galeristen, Museen Privatsammler und Kunstkritiker im Deutschland des frühen 20. Jahrhunderts für die posthume Rezeption van Goghs als „Vater der Moderne“ spielten. Knapp 15 Jahre nach seinem Tod wurde der niederländische Künstler hierzulande als einer der bedeutendsten Vorreiter der modernen Malerei wahrgenommen. Van Goghs Leben und Schaffen stießen in der Öffentlichkeit auf breites und anhaltendes Interesse; ungewöhnlich früh wurde seine Kunst in Deutschland gesammelt. Erste Ausstellungen entstanden von 1901 an in Zusammenarbeit mit dem Berliner Kunsthändler Paul Cassirer. Als dann der Journalist und Schriftsteller Julius Meier-Graefe 1904 van Gogh zum Prototypen des einsamen romantischen Malergenies erhob, begann das, was die Ausstellung im Titel „Making van Gogh“ nennt: die Verbreitung einer künstlerischen Marke, für die Sammler viel Geld auszugeben bereit waren (s. RP vom 24.10.19). Nur zehn Jahre später befand sich die enorme Anzahl von rund 150 Werken van Goghs in deutschen privaten und öffentlichen Sammlungen. Zeitgleich begannen deutsche Künstlerinnen und Künstler, sich intensiv mit seinen Werken auseinanderzusetzen. Insbesondere für die jungen Expressionisten wurde van Goghs Malerei zum Vorbild und zur maßgeblichen Inspirationsquelle – ohne seine Kunst ist die Entstehung der Moderne in Deutschland kaum denkbar.

Vincent van Gogh, Die Pappeln in Saint-Rémy, 1889, Vermächtnis von Leonard C. Hanna, Jr., 1958, © The Cleveland Museum of Art (USA)
Vincent van Gogh, Weiden bei Sonnenuntergang, 1888, © Kröller-Müller Museum, Otterlo (NL)

Die Erfolgsgeschichte van Goghs ist eng mit dem Städel verbunden. Als eines der ersten Museen erwarb das Frankfurter Museum für den Aufbau einer modernen Kunstsammlung durch den Städelschen Museums-Verein 1908 das Gemälde Bauernhaus in Nuenen (1885) und die Zeichnung Kartoffelpflanzerin (1885). Drei Jahre später gelangte eines der berühmtesten Gemälde van Goghs in das Museum, das Bildnis des Dr. Gachet (1890).

In drei großen Kapiteln erzählt die Ausstellung von der Entstehung und Wirkung des „Mythos van Gogh“ in Deutschland. Wie kam es, dass van Gogh gerade in Deutschland so populär wurde? Wer engagierte sich für sein Werk und wie reagierten die Künstler auf ihn? Die Ausstellung zeigt van Gogh als Schlüsselfigur für die Kunst der deutschen Avantgarde und leistet damit einen entscheidenden Beitrag zum Verständnis der Kunstentwicklung in Deutschland zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
Das Städel vereint in der Ausstellung mehr als 120 Gemälde und Arbeiten auf Papier. Den Kern bilden 50 zentrale Werke von Vincent van Gogh aus allen Schaffensphasen. Zu sehen sind herausragende Leihgaben aus Privatsammlungen und führenden Museen weltweit. Einfluss und Wirkung van Goghs auf die nachfolgende Generation veranschaulichen in der Ausstellung 70 Werke von deutschen Künstlerinnen und Künstlern, darunter befinden sich sowohl bekannte Namen wie Max Beckmann, Ernst Ludwig Kirchner, Alexej von Jawlensky, Paula Modersohn-Becker oder Gabriele Münter als auch wiederzuentdeckende Positionen etwa von Peter August Böckstiegel, Theo von Brockhusen, Heinrich Nauen oder Elsa Tischner-von Durant.

Peter August Böckstiegel (1889-1951), Selbstbildnis, 1913, © Peter-August-Böckstiegel-Stiftung, Werther (Westf.)
Judith Gérard (1881-1954) und andere, Kopie nach Van Goghs Selbstbildnis für Gauguin, 1897/98, © Sammlung Emil Bührle, Zürich

„Ohne van Gogh wäre die deutsche Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts vollkommen anders verlaufen. Künstlergruppen wie Die Brücke oder Der Blaue Reiter haben ihre wesentlichen Impulse den Bildern van Goghs zu verdanken. Ziel unserer Ausstellung ist es, diese Zusammenhänge offen zu legen und die wegweisende Bedeutung van Goghs für die Kunst der Moderne in Deutschland sichtbar zu machen“, so Felix Krämer, Generaldirektor Kunstpalast Düsseldorf, in seiner Zeit als Leiter der Abteilung „Kunst der Moderne“ am Städel Initiativnehmer und deshalb auch einer der Kuratoren der Ausstellung.

`MAKING VAN GOGH - Geschichte einer deutschen Liebe´ ist vom 23.10.19 bis 16.2.20 im Städel Museum Frankfurt zu sehen. Adresse: Schaumainkai 63, 60596 Frankfurt. Internet: https://www.staedelmuseum.de/de/vangogh#, siehe auch: 
https://www.hessenschau.de/kultur/deshalb-sollten-sie-making-van-gogh-auf-keinen-fall-verpassen,warum-sie-van-gogh-nicht-verpassen-sollten-100.html sowie die arte-Dokumentation über die Legendenbildung von Vincent van Gogh als Superstar: https://www.arte.tv/de/videos/083936-000-A/vincent-van-gogh-superstar/

Das Bild zeigt Besucher vor einem leeren Rahmen. Es ist der Original-Rahmen des von Van Gogh 1890 gemalten `Bildnis des Dr. Gachet´, das seit seiner spektakulären Versteigerung für 82,5 Millionen Dollar 1990 (Christie’s, New York) der Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich gemacht wurde. Foto: Norbert Miguletz, Städel Museum

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