Da ist der WURM drin

Das Museum Jan Cunen in Oss präsentiert den österreichischen Künstler Erwin Wurm
Foto: Peter Cox, Museum Jan Cunen

Mit Erwin Wurm präsentiert das niederländische Museum Jan Cunen (Provinz Noord-Brabant) erstmals eine große Soloschau des Österreichers im Kontext eines schlossähnlichen Museums. Die Villa Constance, ein ehemaliges Wohnhaus, in dem sich heute ein Museum befindet, ist Ort und Thema zugleich. Denn was ist ein Haus oder ein Zuhause? Für Erwin Wurm (Bruck an der Mur, Österreich 1954) ist ein Haus wie eine zweite Haut, eine Schicht um die eigene Haut: „Das Haus bietet Schutz und gibt uns Sicherheit, ist aber auch ein Statussymbol, mit dem wir angeben", sagt Erwin Wurm. "Schauen Sie sich nur die reich geschmückte Eingangshalle der Villa an, sie sagt etwas über unsere Identität aus. Vielleicht werden wir dort – ähnlich wie bei einem Auto oder einem Hund – dem Haus sogar ein bisschen ähneln. Bei all den technologischen Entwicklungen kann man sich fragen, ob wir in Zukunft vielleicht eins werden mit unserem Besitz? Kann ein Körper auch ein Haus sein?"

Im Kern geht es in Wurms Arbeit um unsere alltägliche Realität und die damit einhergehende Absurdität. Die Serie"One Minute Sculptures", ein fortlaufendes Projekt, an dem Wurm seit mehr als 25 Jahren arbeitet, ist ein gutes Beispiel dafür. Die Objekte bestehen aus gewöhnlichen Gegenständen wie einem Pullover, Möbeln oder ein paar Tennisbällen, die mit einer Anleitung versehen sind. Denn es liegt am Betrachter, das Werk zum Leben zu erwecken oder fertigzustellen. Und so stellt dieser in "The Idiot II" (2003) einen Stuhl auf seine Brust und hakt seine Arme in die Armlehnen ein, was zu einem unangenehm krummen Nacken führt. Damit spielt Wurm mit der traditionellen Funktion des Besuchers. "Nur gucken reicht nicht", so Wurm, "denn dann zählt das Kunstwerk nicht". 

Museum Jan Cunen, Foto: Loek Blonk

Wurms Arbeit ist zugänglich und humorvoll, regt aber auch zum Nachdenken an. In "Narrow Furniture" komprimiert Wurm wiedererkennbare Möbel. Schmale Versionen eines Bettes, einer Badewanne und eines Urinals verweisen auf die ehemalige Funktion der Räume der Oss´schen Villa. Gleichzeitig sind sie ein Fingerzeig auf das Umfeld, in dem der Künstler aufgewachsen ist: das in seinen Augen strenge, altmodische und patriarchalische Nachkriegsösterreich. Ausgehend von seinen persönlichen Erfahrungen erzählt Wurm eine universelle Geschichte.

Nach zahlreichen Ausstellungen in White-Cube-Umgebungen weltweit, ist es für Wurm ein neuer Schritt, seine Arbeiten im Kontext eines ehemaligen Wohnhauses zu präsentieren. In der herrschaftlichen Villa Constance, erbaut 1888, verbinden die Kunstwerke Vergangenheit und Gegenwart. Wurm überrascht und konfrontiert, öffnet aber auch die Tür zur ehemaligen Funktion und den Bewohnern des Gebäudes. Wer hat hier geschlafen und gebadet, Freud und Leid am Esstisch und im Bett geteilt? 

Erwin Wurm - Am I a house?, zu sehen bis 28. August, Museum Jan Cunen, Molenstraat 65, Oss (NL), www.museumjancunen.nl