Die anmutigen Damen des Alphonse Mucha

... zu sehen im Haager Kunstmuseum
Alphonse Mucha, Rêverie, 1897, Farblithographie, © Mucha Trust

Ende des 19. Jahrhunderts war es unübersehbar: üppige Illustrationen anmutiger Frauen, umgeben von stilisierten Blumen und schmeichelnden Linien. Sieben Jahre nachdem der tschechische Künstler Alphonse Mucha (1860-1939) in Paris angekommen war, wurde er mit seinem für den Theaterstar Sarah Bernhardt entworfenen Plakat Gismonda (1894) über Nacht weltberühmt. Wenig später wurde "Le style Mucha" zum Synonym für die moderne Kunstströmung, die als Art nouveau die Straßen der französischen Hauptstadt beherrschen sollte. In Zusammenarbeit mit der Mucha Foundation zeigt das Kunstmuseum Den Haag in diesem Frühjahr eine große Auswahl der Arbeiten, die Alphonse Mucha so berühmt gemacht haben. Zusammen mit Objekten aus der eigenen Sammlung, bietet das Museum ein einzigartiges Bild von Muchas Paris – dem Ort, an dem alles begann.

Paris, Zentrum der modernen Welt

Nach Beginn seiner künstlerischen Laufbahn in Mähren (heute Tschechien), Wien und München ging Alphonse Mucha 1887 nach Paris. Mit einer monatlichen Zuwendung seitens eines Mäzens, kann er sich in der Stadt an der Seine weiterentwickeln. Paris mit seinen Kunstakademien, Galerien und Museen ist in jener Zeit das Zentrum der westeuropäischen Kunst und damit der perfekte Ort für einen jungen Künstler. Mit seinem pulsierenden Nachtleben, seinen brandneuen Boulevards, modernen Kaufhäusern voller Luxusgüter und künstlichem Licht, und natürlich dem Eiffelturm als Symbol des industriellen und technischen Fortschritts, übt die Stadt auf viele Künstler/-innen eine große Anziehungskraft aus.

Als Maler hat Mucha zunächst wenig Erfolg; Um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, arbeitet er als Illustrator. Sieben Jahre später gelingt ihm der Durchbruch und sind seine Illustrationen im Pariser Straßenbild allerorten präsent. 1894 erhält der Künstler den Auftrag seines Lebens: ein Plakat für Gismonda, eine der Inszenierungen der Theaterlegende Sarah Bernhardt. Mucha zeigt Bernhardt in Lebensgröße als göttliche, zeitlose Erscheinung, umgeben von Mosaiken, anmutigen Linien und stilisierten Blumenranken. Tatsächlich ist das Motiv so beliebt, dass es von der Straße weg gestohlen wird. Neben einem mehrjährigen Vertrag mit Bernhardt kann Mucha fortan auf viele weitere Aufträge u. a. für Plakate, Verpackungen, Buchumschläge und Schmuck zählen.

Art nouveau, Nieuwe Kunst oder Jugendstil?

Muchas charakteristischer Stil, le style Mucha, ist zum Synonym für das geworden, was man in Frankreich Art nouveau (Neue Kunst) nennt. In den Niederlanden spricht man von Nieuwe Kunst, während im deutschsprachigen Raum von Jugendstil die Rede ist. Interessanterweise widersprach Mucha selbst immer wieder der Affinität zu dieser internationalen Bewegung: Kunst sei schließlich nicht „neu“, sondern zeitlos. Seine dekorativen Muster, naturalen Formen und das Verschwimmen der Grenzen zwischen bildender und angewandter Kunst sind es für die LIebhaber des Jugendstils bis heute geblieben. 

Alphonse Mucha, La Primevère, Rêverie, 1899, Farblithographie, © Mucha Trust
Alphonse Mucha, Zodiac, 1896, Farblithographie, © Mucha Trust

Kunst für jeden

Schon bevor er berühmt wurde, ist Mucha davon überzeugt, dass Kunst die Lebensqualität verbessern kann und deshalb für jeden zugänglich sein sollte. Seine weit verbreiteten Plakate verwandeln Paris in ein Freilichtmuseum, in dem seine Kunst auf den Straßen für alle zu bewundern ist. Als die Druckerei F. Champenois 1896 vorschlägt, seine überaus beliebten Illustrationen nicht nur für Werbezwecke, sondern auch als dekorative Tafeln zu verkaufen, sieht Mucha dies als eine hervorragende Gelegenheit, seine künstlerische Mission zu erfüllen. Da seine Bilder in Auflagen veröffentlicht werden, sind sie günstiger als Gemälde und auf diese Weise für beinahe jeden erschwinglich. 

Das Kunstmuseum Den Haag zeigt die Arbeiten, die Alphonse Mucha so berühmt gemacht haben: Plakate und Illustrationen sowie Entwürfe für angewandte Kunst vor dem Hintergrund des geschäftigen Paris im Fin de Siècle. Kostüme aus dem späten 19. Jahrhundert verkörpern die Pariser, die über die Boulevards schlendern, während buntes Glas von Émile Gallé und Moser & Söhne aus derselben Zeit zeigt, wie eng Muchas Werk mit dem Jugendstil verzahnt ist. Aufmerksamkeit wird auch der Wiederentdeckung von Muchas Werk in den 1960er Jahren gewidmet, in denen Popkultur, Flower Power und Woodstock seinen Stil für sich beansprucht haben, was in den Albumcovern und Konzertplakaten von Bands wie Martha & The Vandellas, The Rolling Stones und Pink Floyd zum Tragen kam. 

Alphonse Mucha, 5.2. bis 3.7.22, Kunstmuseum Den Haag, Stadhouderslaan 41, 2517 HV Den Haag, Internet: www.kunstmuseum.nl

 

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